
Kloster - Westseite
Mülheim war um 1200 bereits eine selbständige Pfarrei. 1266 kamen die Deutsch-
Ordensritter nach hier, und zwar dadurch, daß der letzte kinderlose Besitzer des Haupthofes
(curtis) in Mulenhem, Ritter Hermann und seine Frau, ihren Hof den Brüdern des Deutschen
Ordens testamentarisch vermachten.

Portal der Rückseite des Deutschordensschlosses, 1950
Da aber der Graf Gottfried von Arnsberg die Lehnsherrschaft (Obereigentum) darüber besaß
und sogar den Edelherrn Dietrich von Volmarstein damit beliehen hatte, sahen sich die
Ordensbrüder genötigt, dem Grafen von Arnsberg für seine Verzichtleistung auf den
Mülheimer Hof ein anderes, ihnen gehörendes, vom Grafen Hermann von Witten erlangtes
Gut eines gewissen Iwan zu Anröchte abzutreten und ihm noch 26 Mark Goldes zu zahlen,
eine für die damaligen Verhältnisse hohe Summe.
Nur so konnten sie in den Eigenbesitz des Hofes zu Mülheim kommen mit allen in diesem
gelegenen Gütern. Dietrich von Volmarstein verzichtete ohne alle Entschädigung auf sein
Lehnsrecht. Die Verhandlungen mit dem Grafen von Arnsberg führten zwei Brüder des
Deutschen Ordens, Bruder Diederich von Vilarich und Bruder Bernhard, die am 20. April 1266
zum Abschluß kamen.
Hauptportal des Deutschordensschlosses
Auf das Patronatsrecht über die Mülheimer Kirche, das um diese Zeit, wie schon erwähnt, im
Besitz des Patroklistifts zu Soest war, erhob auch das adelige Damenstift zu Herdecke
Ansprüche. Diesem gelang es am 28. Juli 1275 gegen Ubergabe des Patronats von Allagen
an das Patroklusstift das zu Mülheim zu erhalten. Bald darauf aber muß das Herdecker
Kloster das Patronat über die Kirche an den Orden abgetreten haben, denn schon am 14.
August 1275 beurkundet der Komtur von Mülheim, daß das Patronatsrecht über die
Mülheimer Kirche der Kommende gehöre, dagegen die Investitur (Einführung des Pfarrers in
ein Amt) und die Synodalrechte (Abhaltung des alljährlichen Send und das Visitationsrecht)
über die Pfarrei dem Patroklusstift in Soest zustünden. In dieser Urkunde wird der erste
Komtur von Mülheim genannt. Er hieß Konrad. Mit der Erwerbung des Patronates über die
Kirche war die Gründung der Kommende zum Abschluß gelangt.

Links das Pfarrhaus
Es dauert noch einige Jahre, bis ein vollständiger Convent da ist, was 1290 der Fall war.
Die Ordensregel schrieb vor, daß ein Convent aus 12 Rittern mit einem Komtur an der Spitze
bestehen sollte. "Man soll das behalten in allen Häusern, da ein Convent ist, dass seyen 12
Brüder und ein Komtur zu der Zahl der Jünger unseres Herrn Jesu Christus."
Der Name der Kirchenpatronin St. Margaretha geht auf die ganze Kommende über. In den
Urkunden heißt sie ,,Domus Teuthonica (Deutsches Haus) in Molnhem" oder "Domus
Teuthonica in Molinhem" oder auch ,,Das Deutsche Haus zu Molheim der hilgen Jungfrau
Sante Margareten". Einmal sogar wird die Kommende als ,,Kirche u. Kloster St. Margareten
zu Mülheim" bezeichnet.
Mit der Erlangung des Patronatsrechtes über die Kirche im Jahre 1275 war die Mülheimer
Pfarrkirche der Deutsch-Ordenskommende inkorporiert.
Infolge der Inkorporation nahm die Ordenskommende das gesamte Kirchenvermögen in
Besitz, trug dagegen alle Pfarrlasten und ließ die Pfarrseelsorge durch Priester des Deutschen
Ordens versehen.
Also sämtliche Kultuskosten und Baulasten sowie die Unterhaltung von Pfarrer und
Vikar wurden von der Kommende getragen. Weder die Kirche noch die beiden geistlichen
Stellen verfügten noch über eigenes Vermögen. Diese Verpflichtung zur Tragung aller
kirchlichen Lasten ist deshalb nach Aufhebung der Kommende 1809 auf den Staat
übergegangen, der das gesamte Kommende-Vermögen einzog. Das Vermögen der
Pfarrkirche war recht ansehnlich. Es gehörten dazu, wie sich aus den Akten ergibt:
1. 80 Morgen Land, im Storksfelde gelegen.
2. Das St.-Margarethen-Land, an der uralten Hauptstraße gelegen.
3. Das Kirchenholz, das bei der Kirche begann und sich bis Belecke ausdehnte.
4. Eine Holzung, Pfaffenlied genannt.
5. Eine Wiese, Kimma genannt, die dreißig oder mehr Fuder Heu einbrachte.
6. Eine Weide mit einem Fischteich.
7. Eine große Weide nach Allagen zu.
Die Rentei im Jahre,1950
In der Folgezeit wuchs der Güterbesitz der Kommende beträchtlich. Nach einer
Bestandsaufnahme vom Jahre 1724 besaß die Kommende 4 Wohnhäuser, darunter das
heutige schöne barocke Kommendehaus, 1680-1690 erbaut, mit den beiden
Seitengebäuden, von denen das eine Rentei, das andere Pfarrhaus ist.
Dazu die heutige schöne Barochkirche, die von 1700 - l714 erbaut wurde.
Ferner eine Reihe von Gärten, rund 500 Morgen saatbaren Landes auf und hinter der Haar,
etwa 500 Morgen Wald, darunter die Mülheimer Mark, etwa 800 Morgen ,,freies,
adeliges Eigentum an vereinzelt liegenden Gütern, 8000-9000 Morgen abgabe-
pflichtige Höfe und Kotten, darunter die Dörfer Mülheim, Sichtigvor, Waldhausen
Egelnpöten und Oberbergheim.
Während ursprünglich die St.-Georgs-Kommende in Münster der Sitz des Land-
komturs war, dem die übrigen Komtureien der Ballei Westfalen unterstanden,
nämlich Welheim , Mahlenburg' Münster, Duisburg, Brakel , Osnabrück, außerdem
vorübergehend noch Waldenburg und Ottmarsheim, war es vom 16. Jahrhundert
an Mülheim. Der ausgedehnte Güterbesitz trug dazu bei.
Für den gesamten Orden setzte schon mit der Niederlage in der Schlacht von Tannenberg
1410, in der das Ordensheer den Kampftruppen der vereinigten Polen und Litauer unterlag,
ein wirtschaftlicher Niedergang ein. Für die Kommende Mülheim kam er als Folge
der Kriegswirren des 15. und 16. Jahrhunderts und des 30jährigen Krieges. Zwar
konnte schon seit dem Ende des 14. Jahrhunderts kein voller Convent mehr
unterhalten werden. Nach dem 3ojährigen Kriege wohnte in Mülheim nur noch
der Landkomtur. Wohl erlebte Mülheim noch einmal eine Zeit der Blüte unter den
tüchtigen Landkomturen Oswald von Lichtenstein (1653-1663),
Franz Wilhelm von Fürstenberg (1671-1688) und Wilhelm von Plettenberg (1680 - l711).
Franz-Wilhelm von Fürstenberg, Erbauer der Kommende
Der erstere gründete 1656 das Dorf Sichtigvor, der zweite baute das jetzige Kom-
mendehaus (1680-1690) und der dritte die Kirche (1707-1711). Doch hielt dieser
Aufschwung nicht lange vor.
Schon unter seinem Nachfolger Levin von Nagel (1711-1724) setzte erneut der Niedergang
ein. Die folgenden Komture beschränkten sich auf die Unterhaltung ihrer kleinen, aber
üppigen Hofhaltung, und der letzte von ihnen Graf von Kaunitz-Rietberg residierte schon nicht
mehr in Mülheim, sondern nahm seinen Wohnsitz in Wien. Als dann Napoleon 1809 den
gesamten Orden aufhob, machte er damit nur einer politischen Organisation ein
Ende, die schon längst keine eigentliche Aufgabe mehr hatte.
Die Güter der Kommende fielen nach ihrer Aufhebung als Domänengut zunächst
an Hessen-Darmstadt, 1815 an Preußen. Das Kommendehaus wurde zu einem
Gerichtslokal des neu errichteten Amtsbezirks Belecke und zur Wohnung der
angestellten Beamten eingerichtet. Der Landbesitz samt den Gebäuden wurde 1840
für 80 000 Taler von 3 Privatpersonen erstanden, ging aber schon bald in den
Besitz des Grafen von Kielmannsegge zu Cappenberg des Schwiegersohnes des
Freiherrn vom Stein über. Dieser verkaufte das Kommendegebäude 1859 für
13 000 Taler an den Gutsbesitzer Nückel zu Winkhausen bei Schmallenberg, der
es seinerseits wieder dem Orden der Salesianerinnen schenkte, der bis zum Kul-
turkampf (bis 1875) darin ein Mäddienpensionat unterhielt. Nach dem Kultur-
kampf erwarben es 1885 die Olper Franziskanerinnen, die ein Haushaltungs-
pensionat darin errichteten und bis 1994 ein Kindererholungsheim unterhielten unter
dem Namen ,,Maria Hilf". Von 1994 - 2009 wurde das Kloster von der "Gemeinschaft der Seligpreisungen"
bewohnt und unterhalten. Seit 2009 ist das Kloster Eigentum einer Investorengruppe.
Kapelle auf dem Schwesternfriedhof, um 1950
Wenn der Deutsche Orden 1809 ein so ruhmioses Ende nahm, so darf doch die
segensreiche Bedeutung nicht vergessen werden, die er in den ersten Jahrhunder-
ten seines Bestehens gehabt hat. Das Werden der geistlichen Ritterorden voll-
zieht sich still und bescheiden. Kreuzfahrer sind ihre Begründer.
Die Pflege und Versorgung der verwundeten und kranken Kreuzzugsteilnehmer war ihre
erste Aufgabe. Unter den drei großen Ritterorden war neben den Templern und Jo-
hannitern der Deutsche Orden der jüngste, 1190 gegründet. Später bildeten sie
den Kern des Kreuzfahrerheeres und lähmten die Angriffskraft des Islams gegen-
über dem christlichen Abendland durch zwei volle Jahrhunderte hindurch. Das
war ihre welthistorische Aufgabe und Bedeutung. Dem Deutsch-Ritterorden er-
wuchs dann im 13. Jahrhundert, von den Polen gerufen, eine neue Aufgabe in der
Christianisierung und Kolonisation des deutschen Ostens und der baltischen
Länder, was zur Gründung des Deutschordens-Staates Preußen führte, mit dem
Sitz des Hochmeisters in der Marienburg in Ostpreußen. Als in der Reformation
das Ordensland Preußen an Brandenburg und später an Preußen fiel, wurde die
Ordensleitung nach Mergentheim verlegt.
In der Abhandlung von Hoffmann ,,Die Deutschordensritter-Kommende Mül-
heim' heißt es: ,,Folgt der Wanderer der Landstraße möhneaufwärts nach Be-
lecke, so winkt ihm nach einer scharfen Wendung des Weges in der Nähe von
Allagen plötzlich von der sanften Abdachung der Haar ein stattliches Schloß ent-
gegen. Es ist das Hauptwohnhaus der ehemals in Mülheim ansässigen Ritter des
Deutschen Ordens. Hier ist ein Ort, wo vor Jahrhunderten westfälische Ritter-
schaft für den Kampf gegen die Türken und die heidnischen Preußen vorgebildet
wurde, hier wurde die Grundlage für manche Heldentaten gelegt, welche Liviand
den Beinamen palaestra nobilitatis westphalicae (Walstatt des westfälischen
Adels) gaben. Fast alle Namen der nach und nach in den baltischen Ländern an-
sässig gewordenen westfälischen Rittergeschlechter finden sich unter den Mül-
heimer Ordensrittern.
Kapelle der Ordenskommende
Die Klosterkapelle (ehemals Deutschordens-Schloßkapelle)
Im Kommendehaus (jetzt Kloster) befindet sich auch eine stimmungsvolle Ka-
pelle. Nach einer Eintragung von Pfarrer Leers wurde am 27.12.1714 von der
Erzbischöflichen Behörde in Köln ,,ad aliud Septenarlum" (für weitere 7 Jahre)
die Erlaubnis gegeben, in der Kapelle die hl. Messe zu feiern mit Ausnahme be-
stimmter Tage. 1781 wurde die verlängerte Erlaubnis erneuert, 1797 noch einmal
auf 7 Jahre ausgedehnt. Dann lautet die letzte Eintragung von Pfarrer Leers:
,,1810 am 13. Oktober wurde genannte Kapelle durch Herrn Amtmann Hüser
profaniert (d. h. dem kirchlichen Gebrauch entzogen). Das war 1 Jahr nach der
Aufhebung der Kommende. Pfarrer Leers bezeichnet die Kapelle als ,,Sacellum
domesticum" (Hauskapelle). Es wird ursprünglich nicht die jetzige große Kapelle
gewesen sein, sondern ein kleinerer Raum. Der Tradition nach ist die jetzige
Kapelle das Refektorium des ehemaligen Ritterkonvents gewesen, die 1908 durch
den etwas stuwidrigen Anbau des Chorraumes erweitert wurde. Nach der ver-
schiedenen Nutzung der Klosteranlage im Gefolge der Aufhebung der Kommende
wird der jetzige Kapellenraum wahrscheinlich von den Salesianerinnen zuerst als
Gottesdienstraum in Benutzung genommen worden sein.
1954 erfolgte eine würdige Renovierung der Kapelle durch das Denkmalsamt
Münster und das Staatshochbauamt Arnsberg unter der Leitung von Ober-
regierungsbaurat Padberg. Der Charakter des alten Barockraumes war durch
eine Empore, eine stark ornamentierte Bemalung und eintönigen Anstrich und
nicht zuletzt durch einen stilwidrigen neugotischen Altar überdeckt und entstellt.
Die Empore wurde beseitigt und der ganze Raum in hellen Pastelifarben neugefaßt.
Außerhalb der Kapelle fanden sich, unbeachtet und verstaubt, einige alte Kunstwerke.