Der Kreuzweg und die Kreuzbergkapelle
( Kapelle auf dem Loermund)



Der Kreuzweg




,,Im Tode ist Auferstehung und Leben (Gal. Cap. VI)
Erinnerung an die Errichtung und Einsegnung des
Kreuzweges auf dem Lhörmont für Johannes
Hunecke von Vicar Blömecke,

Sichtigvor am 3ten May 1845"

Der o.g. Johannes Hunecke gehörte zum Kreis der jungen Männer, die heimlich im
Frühjahr 1845 Holzkreuze anfertigten, die für einen Kreuzweg am Loermund vorgesehen
waren. Die Jungmännergruppe hatte sich dem derzeitigen Vikar Blömecke anvertraut.
Den jungen Männern half ein Schreinermeister, dessen Name ,,Gleseker" über-
iefert ist. Dieser tätigte die ,,feineren" Schnitzereien.

Am Abend des 2. Mai 1845 war es so weit. Im Bewußtsein, einer guten Sache zu dienen,
zogen die Jungmänner zum Loermund und stellten die 14 Kreuze des Kreuzweges und ein
großes Schlußkreuz auf.

Am 3. Mai, es war das Fest der Kreuzauffindung, konnte die überraschte Gemeinde den
Kreuzweg bestaunen.

Das Grundstück, auf das die Kreuze gesetzt wurden, gehörte dem damaligen
Gemeindevorsteher Adolph Narath. Es wurden einige Einwendungen wegen der
,,Eigenmächtigkeit" der jungen Männer erhoben; die gute Absicht der Jungmänner aber
ließ diese ,,im Sande verlaufen".
Der Kreuzweg am Kreuzberg (Loermund) wurde angenommen und wird noch heute von
den Pfarrangehörigen und Auswärtigen fleißig besucht.

Wind und Wetter leisteten dem Verfall des Kreuzweges von 1845 im Laufe der Jahre
Vorschub. Es war notwendig, den Kreuzweg zu erneuern. Diesmal sollten es
Stationshäuschen aus Rüthener Sandstein mit den Bildern des Leidensweges Christi sein.
Mit der Anfertigung, dem Transport und dem Aufstellen der Stationen wurde der Stein-
hauer-Meister Heinrich Nau aus Rüthen beauftragt.
Dieser vereinbarte mit der Kirchengemeinde ein Entgelt von 190 Rthlr (Reichstalern). Die
Stationsbilder (Gußeiserne - Reliefs) wurden bei einer Fa. Horchler (?) in Regensburg für
168 Rthlr bestellt. Den Auftrag für ein Schlußkreuz aus Marmor bekam für 60 Rthlr und 20
Sgr (Silbergroschen) das Marmorwerk Prang u. Co in Allagen.

In einem Schreiben vom 4. August 1865 bittet Pfarrer Arnold Becker (tätig in Mülheim von
1851-1871) die bischöfliche Behörde, die Errichtung des Kreuzweges zu genehmigen und die Erlaubnis zur kirchlichen Benediktion (Weihe) zu erteilen.

Pfarrer Becker kann anführen, daß der hochwürdigste Herr Weihbischof Freusberg
zugesagt habe, nach Ausspendung der heiligen Firmung im Dekanat Attendorn die
Rückreise nach Paderborn über Mülheim zu nehmen und den Kreuzweg einzu-
weihen.
Der Tag der Einweihung des Kreuzweges am 21.September 1865 muß ein ,,großer Tag
gewesen sein, schreibt doch Weihbischof Freusberg in der Urkunde über die vollzogene
kirchliche Handlung:
An dem heutigen Tage wurde dann, nach vorangegangenem Pontifikal-Amte in der
Pfarrkirche die Anheftung der benefizierten hölzernen Kreuzchen und die Einsegnung der
14 Stationsbilder und des Schlußkreuzes unter Beteiligung der ganzen Pfarrgemeinde von
dem Unterzeichneten in feierlicher Weise vorgenommen.
gez. Josef Freusberg
Weihbischof

"Ölbergsgarten" am Anfang des Kreuzweges
Aufnahme aus dem Jahre 1930



Die Kreuzbergkapelle



Kreuzbergkapelle im Jahre 2000

Der nächste Schritt war dann der Bau einer Kapelle auf dem Loermund, auf der Höhe
des Kreuzberges, im Jahre 1890. Das Grundstück wurde von der Gräfin von
Kielmannsegge erworben. Kirchenvorstand und Repräsentanten der Kirchengemeinde
übernahmen die geforderte Garantie für die Erhaltung der Kapelle.
Heute ist die Schützenbruderschaft von Sichtigvor mit dem geschaffenen Kapellenverein von 1924, Betreuer der Anlage.

Die Segnung des Grundsteins erfolgte am 10.8.1890 durch Pfarrer Platte in Anwesenheit von Pfarrer Schafmeister, Allagen, und des Superiors der Schwestern, Vikar Lappe.
Auch eine Glocke wurde für die Kapelle geweiht.

Am Bau der Kapelle beteiligte sich das ganze Kirchspiel unter großer Opfer-
bereitschaft. Ein Göpelwerk wurde den Berg hinauf angelegt, wochenlang waren
an den Sonntagen nachmittags junge Männer von Sichtigvor und Mülheim dabei,
das Baumaterial heraufzuschaffen, das vor allem von den Bauern aus Waldhausen
angefahren wurde. Die Frauen und Mädchen trugen das für Wochen benötigte
Wasser eimerweise hinauf. Baumeister war der Unternehmer Krüppel aus Liesborn.
Die Fassade der Kapelle trägt ein Mosaik des Guten Hirten, der Altar eine
Schmerzhafte Mutter.



Kreuzbergkapelle im Jahre 1960

Im Jahre 1965 gedachte die Pfarrgemeinde in einer Feierstunde der Errichtung des Kreuzweges und der Kapelle vor 100 bzw. 75 Jahren.
Die Kapelle ist den Sichtigvorern besonders ans Herz gewachsen. Beim Sichtigvorer
Schützenfest ist alljährlich in der Kapelle feierliches Hochamt mit Gefallenenehrung.




Entwurf der Kreuzbergkapelle

Über den Bau der Kreuzbergkapelle schrieb Caspar Cramer aus Sichtigvor am
9. November 1890 folgendes nieder:

,,Dieser Bau ist errichtet im Jahre 1890 während der Regierung des Papstes Leo XIII.
und des Bischofs Franz Caspar Dröbe.

An der Grundsteinlegung nahmen teil: Unser hochwürdigster Herr Pfarrer Burkhard Josef
Platte, welcher auch der eigentliche Errichter ist; ferner der hochwürdigste Herr Superior
vom Kloster Caplan Josef Lappe, der hochwürdigste Herr Pfarrer von Allagen Josef
Stallmeister sowie die ganze Gemeinde.

Derjetzige Regent des deutschen Volkes ist Kaiser Wilhelm II.

Die zu dem Bau erforderlichen und herangeschafften Materialien sind folgende:

I. 136 Fuhren Rohbausteine
II. 15 Fuhren Sandsteine
III. 25 Fuhren Schlacken bzw. Grund
IV. 5 Fuhren Schlemmsteine, 3 Fuhren Schiefer
VI. 5 Fuhren Holz
VII. 5 Waggon Kalk
VIII. 3000 Stck. Ziegelsteine, Zementplatten


Alle diese angegebenen Fuhren sind zweispännig. Sämtliches Baumaterial ist des
Sonntagsnachrnittags von den Insassen der Gemeinde vom Fuße des Berges
heranbefördert worden. Auch das notwendige Wasser wurde von den Frauen, Jungfrauen
und Kindern den Berg hinaufgetragen.

Zur Erleichterung wurde ein Göpelwerk den Loermund hinauf angelegt.

Es muß festgehalten werden daß neben den Männern und Frauen aus Sichtigvor/Mülheim
auch Bauern aus Waldhausen für die Kreuzbergkapelle tätig waren. Letztere fuhren vor
allem das Material heran. Die Grundsteinlegung der Kreuzbergkapelle fand am
10. August1890 statt.

Der damalige Pfarrer Josef Platte (er war von 1887 bis 1908 im Kirchspiel tätig) ließ
folgende Urkunde mit dem Grundstein einsenken:







Blick vom Loermund (Ort der Kreuzbergkapelle) auf Alt-Sichtigvor
(Im Hintergrund Westendorf und Allagen)





Blick vom Loermund (Ort der Kreuzbergkapelle) auf die Rofuhr und
das Baugebiet an der Möhne