Die Pfarrkirche St. Margaretha

St. Margaretha um 1950
Da Mülheim schon um 1200 Pfarrei war, muß damals bereits eine Kirche vor-
handen gewesen sein. Eine urkundliche Nachricht darüber liegt nicht vor. Es ist
aber anzunehmen, daß die Ordensritter nach ihrer Ankunft in Mülheim 1266/1267
sich nicht damit begnügt haben, die damals vorhandene, sicher kleine und un-
bedeutende Pfarrkirche beizubehalten. Sie werden vielmehr ihren Stolz darin
gesetzt haben, nach Erlangung des Patronats über die Pfarrkirche im Jahre 1275,
eine eigene Ordenskirche zu bauen.
Die erste Nachricht über ein Gotteshaus findet sich in den Prozeßakten des
Investiturstreites von 1650. Danach trug die Kirche an verschiedenen Stellen neben dem
Ordenskreuz die Wappen der Landkomture Georg von Hanxleden und Rabe Dietrich von
Ovelacker (1616-1632).
Nur Landkomtur, Komtur und Ritter wurden in ihr beerdigt. Im einzelnen wird
von ihr gesagt: ,,Auf der Kirchentür befindet sich das Ordenskreuz, oberhalb der
Kirchentür ein gemaltes Ordenskreuz, von dem wegen der Zeit der Kalk abzu-
fallen beginnt. Ferner befindet sich darunter noch ein älteres gemaltes Ordens-
wappen und Kreuz. Ferner in der Kirche Wappen und Inschrift der Komture
Hanxleden und Ovelacker. Ebenso ist ein Ordenskreuz und Wappen an der Orgel.
Ebenso Kreuz und Wappen in der Sakristei in einem kleinen alten Fensterlein.
Nun steht fest, daß 1593 ein Brand das alte Kommendehaus zerstörte, das vom
Landkomtur Georg von Hanxleden wieder aufgebaut wurde. Hoffmann nimmt in
seiner schon erwähnten Abhandlung über die ,,Deutsch-Ordenskommende Mül-
heim" an, daß bei diesem Brande auch die Kirche, die durch einen Gang mit dem
Kommendehaus verbunden war, niederbrannte.
Aus der Tatsache, daß die 1650 erwähnte Kirche die Wappen der beiden Komture Hanxleden und Ovelacker trug, schließt er, daß diese beiden auch die Kirche wieder aufgebaut hätten.
Doch braucht dieser Beweis nicht unbedingt schlüssig zu sein, weil schon eine bauliche
Veränderung oder Erweiterung die Komture berechtigt hätte, ihre Wappen und
Namen in der Kirche anzubringen. In jedem Fall aber ist die jetzige Pfarrkirche
mindestens die dritte, vielleicht aber schon die vierte. Volle Sicherbeit ist dar-
über nicht zu erlangen, weil die Quellen schweigen.
Die vorletzte Kirche hat der Uberlieferung nach an der Möhnestraße gestanden,
etwa an der Stelle des heutigen Renteigebäudes, anschließend das alte Korn-
mendehaus. Diese Überlieferung von der Lage der alten Kirche wird bestätigt
durch die Tatsache, daß man bei Anlage bzw. Befestigung der Möhnestraße
1830/32 unterhalb des Renteigebäudes auf Gebeinreste stieß, also anscheinend
dabei den alten Friedhof angeschnitten hat.

Kirche & Kloster um 1950
Die jetzige Kirche steht etwas nordwestlich vom heutigen Kommendehaus
(Kloster). Mit ihrem Bau wurde 1707 begonnen unter dem damaligen Landkomtur
Wilhelm von Plettenberg. Die Genehmigung zum Bau wurde am 12. April 1707
von Mergentheim aus erteilt. Sie ist in gotisierendem Barock gehalten, ein schö-
ner, gefälliger Bau, der, etwas erhöht gelegen, den religiösen Mittelpunkt der
Gemeinde ausmacht.
Nach einer Eintragung im Kirchenbuch wurde sie am 8. Juli1714 konsekriert durch Fürstbischof Franz Arnold Freiherr von Wolff-Metternich zu Gracht von Paderborn, auf die Patrone St. Margaretha und St. Levinus, Bischof und Märtyrer. Eine nachträgliche Eintragung fügte hinzu: ,,Im Generalvikariat zu Köln sind angegeben als Patrone: St. Georglus und St. Margaretha, von St. Levinus ist dort nichts zu lesen." Wahrscheinlich ist Levinus mit angegeben worden auf Wunsch des damaligen Komturs Levinus von Nagel, der seinen Namenspatron mit berücksichtigt haben wollte.
Der jetzige alte Friedhof wurde zwei Jahre vorher, 1712, geweiht und in Be-
nutzung genommen. Die Weihe nahm nach einer Eintragung im Sterberegister
Franz Bernhard Mappius, Erzbischäflicher Kommissar des Haardistrikts und
Pastor von Körbecke, vor. Auf dem jetzt eingeebneten Friedhof ruhen im Schat-
ten des Gotteshauses, unter dem grünen Rasen und dem Kranz alter Linden, rund
2700 Tote der Gemeinde inmitten ihrer Seelsorger und harren der künftigen
Auferstehung entgegen.
Ebenfalls befindet sich auf dem alten Friedhof auch das Ehren- und
Mahnmal zum Gedächtnis unserer Gefallenen und aller Opfer des Krieges. Wenn
man aus dem Gotteshaus kommt, schreitet man an den Kreuzen vorbei, die die
Jahreszahlen der Kriege der letzten hundert Jahre tragen, erinnernd an die
Opfer dieser Kriege. Der Weg führt den Besucher hin zu dem Mahnmal, das den
gemarterten und zerschlagenen Christus zeigt. So war auch der Tod der Gefalle-
nen ein brutales, qualvolles Dahinsterben, ein furchtbares Verstümmeltwerden.
Das sagen auch die Leiber der Schächer, die wir selber sind, und die, um die wir
trauern. Der Unterschied ist nur der: Aus den Trümmern des Jesus von Nazareth
wuchs der auferstandene Christus, der segnend seine Arme ausbreitet über die
Schächer, über uns. Wir sollen geträstet werden. Wir sollen unsere Toten bei
Gott suchen.
Das Mahnmal ist geschaffen von dem Bildhauer Wolfgang Kreutter, Dödesberg.
Am ersten Adventssonntag 1965 erhielt es die kirchliche Weihe.
Die alte Küsterei um 1950
Hoffmann nimmt weiter an, daß der Plan für den Kirchenbau schon unter dem
Komtur von Fürstenberg angefertigt wurde, wahrscheinlich von dem Domwerk-
meister Quinken von Münster, der auch den ersten Bauabschnitt geleistet habe
und gleichfalls im Todesjahr des Plettenbergers, 1711, verstarb. Deshalb, so
nimmt er an, die gotisierenden Bauelemente. Für den zweiten Bauabschnitt glaubt
er den Münsterschen Domwerkmeister Werninck als Architekten bestimmen zu
können, der von der Gotik nicht mehr beeinflußt gewesen sei und nur noch im
Barock lebte.

Küsterei (mitte), Friedhof (mitte links) und Schule (mitte rechts) im Jahre 2000
Die Ausstattung der Pfarrkirche mit dem notwendigen Inventar scheint nach
und nach erfolgt zu sein. Hoffmann erwähnt aus dem Jahre 1719 die Anschaffung
von Bänken, Antependien, Meßgewändern und einer Schilderei. Nicht alle Bänke
können aus dieser Zeit stammen, denn eine zeigt die Jahreszahl 1732. Ferner ist
bemerkenswert das schöne und reichgeschnitzte Chorgestühl von 1728 mit dem
Wappen des Komturs Franz Gaudens von Westrem und die Kanzel aus dem
Jahre 1725.
Die Beichtstühle zeigen das Wappen des Komturs Levin von Nagel (1711-1724),
dürften deshalb wohl, weil gleich benötigt, bei der Benutzung der Kirche um 1714
beschafft sein. Das Baujahr der Orgel steht nicht fest. Sie fügt sich harmonisch in
den Turmteil der Kirche ein und ist mit ihrer schon geschwungenen Empore, neben
der Kanzel, ein Prachtstück der Kirche mit.
Blick auf die Orgel, Aufnahme um 1960
Blick auf Kanzel und Beichtstuhl, um 1960
Prof. Dr. Rudolf Reuter, der im Auftrag des Denkmalamtes Münster
in den Jahren 1957/58 die Renovierung der Orgel geleitet hat, nahm anfänglich
als Erbauer Joh. Patroklus Möller an, als Bauzeit etwa 1730, weil er das Wappen
an der Orgelbrüstung für das des Komturs Franz Wuh. Bernh. von Westram ge-
halten hatte (1729-1740), während es das des Wilh. von Plettenberg ist, so daß
das Baujahr früher anzusetzen wäre. Neuerdings glaubt er sie vielleicht Joh.Bernhard
Klausing aus Herford zuschreiben zu können, erbaut etwa um 1720.

Blick auf die 3 Altäre
Leider sind die ursprünglichen Barockaltäre nicht mehr vorhanden. Sie sind im
vorigen Jahrhundert, um 1877, durch die jetzigen klassizistischen ersetzt worden.
Nichts von ihnen ist erhalten geblieben. Zum Glück hat die doppelseitige Barock-
madonna dieses Schicksal nicht geteilt. Auch sie ist damals aus der Kirche ent-
fernt worden, lag aber noch, vom Holzwurm zerfressen und verstümmelt, auf dem
Kirchenboden, ist bei der Renovierung der Kirche (1958 restauriert worden und bildet
jetzt ein Schmuckstück der Kirche. Sie dürfte um 1700 anzusetzen sein.
Pfarrer Uhrwerker hatte in seinem Testament von 1687 ein Kapital von
150 Talern vermacht für eine ,,doppelseitige Muttergottesfigur vom Gewölbe
herabhängende, für die St.-Georgs-Kirche in Münster. Dieser Passus des Testa-
ments ist von dem damaligen Komtur Franz Wilhelm von Fürstenberg, der das
Testament genehmigen und bestätigen mußte, abgeändert worden in: ,,soll all-
hier in der Dorfkirche zu Mülheim, wan dieselbige von neuem aufgebauet wer-
den, zu einem Nebenaltar und Predigtstuhl verwendet werden". Die Vermutung
liegt nahe, daß später beim Neubau der Kirche das gestiftete Kapital doch viel-
leicht im ursprünglichen Sinne des Testators zur Anschaffung einer doppelseitigen
Madonna verwendet worden ist, wenn auch nicht für die St.-Georgs-Kirche in
Münster, sondern für die hiesige Pfarrkirche, was ja nach dem Sinne des Land-
komturs von Fürstenberg war, der damals schon den Neubau der Kirche geplant
hatte.

Blick auf den Chorraum, mit den drei Altären, rechts die Kanzel (auf der Kanzel der
Drachentöter St. Georg, der Schutzpatron von Sichtigvor und dessen
Schützenbruderschaft.
Bei der vorletzten Renovierung wurde das Kircheninnere, wie bei Barockkirchen
üblich, weiß gehalten, die Altäre vornehmlich weiß-gold, die Gewölberippen
grün, während die schönen Schlußsteine farbig abgesetzt wurden, so daß der
ganze Raum einen hellen, festlich stimmenden Eindruck macht. Die Fenster er-
hielten Bleiverglasung in hellem Antikglas.
Der schöne barocke Kreuzweg (um 1730), aus Süddeutschland stammend, konnte
bei der Renovierung der Kirche 1960 käuflich erworben werden. Die schöne
St.-Barbara-Plastik ist aus Waldhausen, die Liborlus-Figur konnte gleichfalls
1960 erstanden werden und kommt aus Frankreich, die schöne Antonius-Figur
über dem Beichtstuhl des Pfarrers war schon vorhanden. Über dem Mülheimer
Eingang hängt das Wappen des Kurfürsten Clemens August, der 1732 Hoch-
meister des Deutschen Ordens wurde, über dem Sichtigvorer Eingang das Plet-
tenbergsche Wappen. Beide erhielten bei der Renovierung 1960 den jetzigen
Platz.
Unter dem Komtur Franz Gaudens von Westrem wurde 1725 die prächtige Kan-
zel hergestellt. Bei der Renovierung konnte die gut erhaltene erste Fassung frei-
gelegt werden. Auf der Rückwand der Kanzel kam eine Inschrift zum Vorschein:
,,Wer aus Gott ist, der hört Gottes Wort. Joh. 8c v. 46 Anno 1725."
Das barocke Herz-Jesu-Bild ist in seiner Art selten. - Die alten Grabsteine
der Geistlichen, die bis 1945 als Deckplatten in der Kirche lagen, sind 1964, um
sie zu erhalten, an der Nordseite der Kirche aufgestellt worden. Es sind die
Grabplatten von Pfarrer Kaspar Uhrwerker, gest. 1690, Vikar Joh. Conrad Schneider,
gest. 1701, Pfarrer Gottfried Risse, gest. 1705, und Hermann Stephan Müllers, gest. 1751.
Die Fassade der Kirche zeigt Nischen, die leer geblieben sind, wahrscheinlich,
weil es zur Anschaffung der entsprechenden Heiligen-Statuen aus Mangel an
Mitteln nicht mehr gekommen ist. Zwischen den Nischen wurde eine Schrifttafel,
die den Namen des Hoch- und Deutschmeisters Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg
(1694-1732) und darüber dessen Wappen enthält, angebracht. Die Inschrift lau-
tet: ,,Pfalzgraf Franz Ludwig, Herzog von Bayern, Jülich, Cleve und Berg, Bischof
von Breslau, Mainz, Trier und Worms, Propst und Herr zu Ellwangen und kaiser-
licher Oberst-Hauptmann des Herzogtums Ober- und Niederschlesien."
Die beiden Kircheneingänge an der Nord- und Südseite und ein dritter vor der
kleinen Sakristei (Herrenpforte) sind ganz barock gehalten und tragen das Piel-
tenbergsche Wappen mit dem Ordenskreuz und der Inschrift: ,,Wilhelmus liber
Baro de Plettenberg ex Lehnhausen ordinis teutonici eques commendator in
Mülheim et ad 5 (anc) t (um) Georglum monasten a fundamentis exstruxit anno
1707." (Wilhelm Freiherr von Plettenberg aus Lenhausen, Ritter des Deutschen
Ordens und Landkomtur in Mülheim und zum hl. Georg in Münster, hat diesen
Bau von Grund auf errichtet im Jahre 1707.)
In der Inschrift an der Nordseite ist der Titel noch erweitert durch den Zusatz.
,,Commendator provindalis balliviae Westfalicae." (Landkomtur der Ballei West-
falen.)
Uber der Sakristei steht in einer Nische in der Ostwand des Chores eine Statue
des hl. Michael. Aus dem Satteldach des Langhauses wächst der Turm heraus, der
mit einer barocken Kuppel gedeckt ist. - Am 6.5.1901 wurde der 1877 neu be-
schaffte Hochaltar durch Bischof Wilhelm Schneider konsekriert. Patrone sind der
hl. Levinus und die hl. Margaretha. Das Sepulcrum erhielt Reliquien des hl. Columban
und anderer Märtyrer.
Das große Triumphkreuz im Chor wurde 1919 aus Anlaß der Mission ange-
schafft und ist gearbeitet von Burg, Gelsenkirchen, eine beachtenswerte Leistung,
so daß es zuerst vom Denkmalsamt für eine alte Arbeit gehalten wurde.
Eine Renovierung bzw. Dekoration (Ausmalung) der Pfarrkirche hat statt-
gefunden, soweit sich feststellen läßt, in den Jahren 1822 unter Pfarrer Drepper,
1876/177 unter Pfarrer Bierrnann, 1927/28 unter Pfarrer Reinecke und 1957/60 unter
dem Pfarrer Schoppmeier, durch die Firma Ochsenfarth, Paderborn,
unter Leitung des Staatshochbauamtes Arnsberg, Herrn Oberbaurat Padberg und
Beratung des Denkmalamtes Münster. Beiden Stellen gebührt besonderer Dank,
daß sie so verständnisvoll und großzügig im Sinne der Denkmalspflege die Erhal-
tung und Renovierung des Kommendegebäudes und der Pfarrkirche durchgeführt
haben.
Zur Geschichte der Glocken:
1912 wurden die vorhandenen alten 4 Glocken durch die Glockenfirma Hum-
pert in Brilon umgegossen und neu geweiht am 19.12.1912. Leider hat Pfarrer
Reinecke keine Nachrichten über die alten Glocken hinterlassen. Aus den Akten
des Glockenprozesses, den die Kirchengemeinde 1839 gegen den preuáischen
Fiskus geführt hat wegen der Unterhaltung der Glocken, geht folgendes hervor:
Damals war eine Glocke gesprungen, was der Anlaß zum Prozeß wurde. Die
größte Glocke trug die Inschrift: ,,1742. Parochia Mülheimensis in honorem St.
Margarethae et sancti Josephi me refundi curavit." (Die Pfarrei Mülheim hat
mich 1742 zu Ehren der hl. Margaretha und des hl. Josef umgießen lassen.) Die
drei anderen Glocken trugen keine Inschriften, aus denen hervorgegangen wäre,
wann sie angefertigt wurden und wer sie hat anfertigen lassen.
An der zur Turmuhr gehörenden Glocke befand sich die Inschrift: ,,Reverendissimus et
excellentissimus Dominus de Mengersen me fien fecit l742. (Der Hochw. und
erlauchte Herr von Mengersen hat mich gießen lassen 1742.)
Die drei ersten,1912 umgegossenen Glocken muáten im 1. Weltkrieg abgeliefert werden.
Dafür gab es 1922 Ersatz, indem aus einem noch vorhandenen Bestand abgelieferter
Glocken, Kriegsglocken, durch Prof. Biehl in Bautzen drei Bronzeglocken aus-
gesucht wurden, die nach Gewicht und Tonart den abgelieferten fast gleich waren.
Sie wurden am 3. Oktober 1922 geweiht. Doch ihre Lebensdauer währte nicht
lange. 1925 zersprang die größte dieser Glocken. Sie war im Jahre 1765 gegossen.
Der Fiskus wollte zunächst aus Gründen der Kostenersparnis den Riß der Glocke
schweißen, was aber vom Kirchenvorstand abgelehnt wurde. Da auch die anderen
Glocken zu wünschen übrig ließen, kam es zu einem Neuguß aller drei Glocken,
wieder durch die Firma Humpert in Brilon. Sie wurden am Paimsonntag 1927 ge-
weiht, die erste zu Ehren der Kirchenpatronin St. Margaretha, die zweite zu
Ehren des HI. Herzens Jesu, die dritte zu Ehren des hl. Georg, des zweiten Kir-
chenpatrons, wieder wie früher in den Tönen g, b, c, in einem Gewicht von 650,
400 und 270 kg. Die vierte und kleinste erhalten gebliebene Glocke war der Mut-
tergottes geweiht und hatte den Ton d.
Auch die 1927 beschafften Glocken hatten keine lange Lebensdauer. Sie fielen
dem 2. Weltkrieg zum Opfer. Doch gelang es der Gemeinde, gleich nach Kriegs-
ende 1945 auf dem Lagerplatz der nicht kriegsverwendeten Glocken in Lünen
Bronzematerial für 1793 RM zu erstehen, zugleich mit einer Lieferung von Mehl
und Eiern. Die neuen Glocken wurden von der Firma Junker in Brilon gegossen
und am 6. Dezember 1946 geliefert, am 8. Dezember durch Pfarrer Muder ge-
weiht. Es waren die Fis-Glocke, 1,11 m Durchmesser, Gewicht 747 kg, Inschrift:
,,St. Margaretha, virgo et martyr, ora pro parochia tua Mülheimensi." (St. Mar-
garetha, Jungfrau und Märtyrin, bitte für deine Pfarrgemeinde Mülheim.)
Die A-Glocke, 0,94 m Durchmesser, Gewicht 457 kg, hat die Inschrift: ,,St. Lucia
et Agatha, haltet fern alle Gefahren von Haus und Hof.
Die H-Glocke, 0,83 m Durchmesser, Gewicht 327 kg, Inschrift: ,,St. Georglus
martyr, Defende populum dei." (Hl. Georg, Märtyrer, schütze das Volk Gottes.)
Für die Kapelle in Waldhausen wurde eine Fis-Glocke angeschafft mit der
Inschrift: ,,St. Barbara, virgo et martyr, esto nobis adiutrix." (Hl. Jungfrau und
Märtyrerin Barbara, sei uns Helferin.)
Die gesamten Kosten betrugen 5435 RM. Möge diesen Glocken eine längere
Lebensdauer beschieden sein, auf daß sie noch lange das Gotteslob künden, die
Lebenden rufen und die Toten zu Grabe geleiten.
Totengruft
Unter der Pfarrkirche befand sich die Totengruft der Ordensritter. Sie hatte
von außen keinen Zugang, sondern nur vom Innern der Kirche her. Nur schwer
zugänglich, erreichte man die Gruft auf Treppenstufen vor der Kommunionbank
durch einen langen Gang.
Bei Anlegung der Kirchenheizung 1938 ist sie als Heizungskeller in Benutzung
genommen worden. Als sie geöffnet wurde, fand man an der Innenseite des Kellers
mehrere zum größten Teil zerfallene Särge aus Eichenholz. Die Gebeine von sieben
Leichnamen hatte man zusammen in einenSarg gelegt.
Die sieben Schädel waren sehr gut erhalten. Bei einem Leichnam schien man eine
Obduktion vorgenommen zu haben, da der Schädel kunstgerecht oberhalb der Stirn
durchgesägt worden war.
Außer einem Schloß und einem schwertartigen Eisenstück von 80 cm Länge und
6 cm Breite wurden keine besonderen Gegenstände gefunden. Uber die gefundenen
Gebeine lassen sich nur Vermutungen anstellen. Nach dem Sterbebuch sind seit dem
Bau der Kirche im Jahre 1707 nur vier der letzten Komture in der Gruft bestattet worden:
1711 Wilhelm von Plettenberg, 1724 Levin von Nagel, 1729 Franz Gaudens von Westrem
und 1740 Franz Wilhelm Bernhard von Westrem.
Von dem vorletzten Komtur Ferdinand Moritz von Mengersen wird im Sterberegister
ausdrücklich gesagt, daß er in der Gruft seiner Väter in der Pfarrkirche zu Rheder
beigesetzt sei.
Bei den übrigen Gebeinen wird es sich deshalb um die Überreste von Ordensrittern
handeln, die in der alten Kirche begraben waren und bei ihrem Abbruch in die
Totengruft der neuen Übertragen wurden. Die damals vorgefundenen Gebeine
haben 1938 ihre endgültige Ruhestätte auf dem alten Friedhof gefunden.
Die Erinnerung daran hat man festhalten lassen, in einer Inschrift auf der Rückseite
des alten Friedhofskreuzes. Sie lautet: ,,Mit den Toten dieses Friedhofes erwar-
ten die künftige Auferstehung sieben Ordensritter, die ursprünglich in der alten
Totengruft der Pfarrkirche bestattet waren." - Ebenso ruht hier der letzte Abt
des ehemaligen Zisterzienser-Klosters Bredelar, Laurentius Schäferhoff, der nach
der Aufhebung seines Klosters bis zu seinem Tode im Jahre 1821 in der Pfarrei
wohnte.
Die Vorderseite des Kreuzes trägt seit der Einebnung des Friedhofes die Na-
men der dort ruhenden Seelsorger.