Die Kapellen in Waldhausen,
Echelnpöten und auf der Haar

Die Kapelle in Waldhausen



Die alte Kapelle, um 1912


geht zurück auf den Landkomtur Rab Diedrich von Ovelacker (1609-1632),
der sie im Jahre 1625 erbauen ließ, um auch für die Einwohner von Waldhausen
die Feier der hl. Messe am Orte zu ermöglichen, was an drei Kapellen-Festtagen
im Laufe des Jahres geschah. Die Kapellen-Patrone sind St. Barbara und St. An-
tonius der Einsiedler. Das Wappen des Erbauers befand sich an der Kapelle und
wurde auch beim Neubau derselben auf die neue übertragen. Es war ein kleiner,
schlichter Bau mit rundem Chorabschluß. Das Kapellenvermögen bestand aus
6 Morgen Ackerland, in der Gecksheide gelegen, das von dem Kapellen-Provisor
Hermann Eickholf genutzt wurde, wofür derselbe nur die Auflage hatte, die
Altarlichter und das Leinenzeug für die Kapelle zu beschaffen und an den drei
Kapellen-Festtagen die Pfarrgeistlichen und Kirchendiener mittags zu speisen.
Als Pfarrer Leers 1770 sein Amt antrat, fand er, wie er schreibt, die Kapelle in
einem äußerst kläglichen, vom offenbaren Einsturz bedrohten Zustand. Er ließ
deshalb dem Mißbrauch des Kapellenvermögens ein Ende machen, indem er das
Land verpachten ließ und die erzielten Einnahmen benutzte, um die verwahrloste
Kapelle wieder instand zu setzen. Das geschah in den folgenden Jahren. Neue
Paramenten wurden beschafft, 1783 auch ein neuer Altar, der im Minoriten-
kloster in Soest durch Bruder Libonus angefertigt wurde. Die beiden Altarbilder,
St. Barbara und St. Antonius, schuf Fr. H. W. Kleine aus Soest, wie das Signum
auf der Rückseite der Bilder besagt. Sie kosteten 14 Taler 33 Gr.



Aufnahme aus der alten Kirche, um 1900


Dem Pater Guardian Siegfried Obhoff wurden 23 Taler gezahlt. Erwähnenswert ist noch,
daß im Jahre 1796 der Aufwand für Kerzen großer war, weil ein emigrierter französi-
scher Geistlicher, der in den Tagen der französischen Revolution geflüchtet war,
in Waldhausen ein Unterkommen gefunden hatte und täglich in der Kapelle die
hl. Messe las. Ebenso, daß nach der Aufhebung des Nonnenklosters Odacker in
Hirschberg von dort für die Kapelle ein Meßkelch erworben wurde. Die Kapelle
besitzt mehrere recht schöne Barockplastiken aus Holz, die zusammen mit dem
schönen, zierlichen Rokoko-Altar eine Zierde der Kapelle bilden. Uber die Her-
kunft der Heiligenfiguren ist nichts bekannt. Zwei kleine, jetzt rechts und links
vom Altar auf der Wand stehende Figuren tragen die Namen ihrer Stifter, des
Lehrerehepaares Joh. Albertus Dicke und Anna Gertrud Kulmann bzw. der Elisa-
beth Junfermann. Die Figuren stellen den hl. Johannes Evangelist und die hl.
Agatha dar. Da Lehrer Dicke schon 1761 starb (ertrunken), können die Figuren
um etwa 1750-1760 anzusetzen sein.



Bauzeichnung der neuen Kirche, von dem Baumeister Franz Aßhoff


Ein Trauerspiel ist es, was sich 1812 mit der Waldhausener Kapelle ereignete.
Weil für einen Schulneubau die Mittel fehlten, sollte auf Vorschlag des damaligen
Arntmanns Hüser die Kapelle abgebrochen und das Kapellenvermögen dann samt
dem Abbruchmaterial für den Bau der Schule Verwendung finden. Die Entschei-
dung darüber wurde einer Abstimmung der Einwohner überlassen. Zwanzig der
zur Abstimmung berechtigten Haussassen sprachen sich für den Abbruch der
Kapelle aus, nur drei waren dagegen. Pfarrer Leers beugte sich der Abstimmung,
obwohl er vorher versucht hatte, die Entscheidung zu verhindern durch den Vor-
schlag, auf den Schulbau zu verzichten und die wenigen Waldhausener Kinder
in die Schule nach Mülheim zu schicken, die diese Kinder aufnehrnen könne.
Schweren Herzens mußte er die Kapelle nach erfolgter Genehmigung durch die
Erzbischöfliche Behörde in Köln, Generalvikar von Caspars, durch Dekret vom
22.8.1812 destruieren (d. h. durch Herausnahme des Altarsteins aus dem Altar
die Kapelle so dem gottesdienstlichen Gebrauch entziehen) und die dort gestifte-
ten zehn hl. Messen der Pfarrkirche in Mülheim inkorpieren. Zum Abbruch der
Kapelle kam es aber doch nicht, da die Gemeinde nachträglich anderen Sinnes
wurde. Sie mußte sich aber verpflichten, das Kapellenvermögen zum Schulfonds
zu schlagen und daraus Schule und Kapelle zu unterhalten. - Die alte Kapelle
hat bis 1923 gestanden. In diesem Jahre mußte sie einem Neubau weichen, nach-
dem das Denkmalsamt zunächst den Bau erhalten wissen wollte, Sich aber dann
doch mit dem Abbruch abfand. Am 20. Juli 1924 wurde die neue Kapelle feierlich
durch Pfarrer Reinecke benediciert.



Die neue Kirche in Waldhausen, um 1950


In den Akten findet sich noch eine größere Reparatur verzeichnet für das Jahr
1859, ebenso die Anschaffung einer neuen Glocke im Jahre 1862, nachdem die
alte gesprungen war. Sie wurde von der Firma Humpert in Brilon geliefert.
Ebenso wurde die Kapelle um diese Zeit durch den Kirchenmaler Wittkopp, Lipp-
stadt, ausgemalt. Die Kosten bestritten die Brüder Theodor und Kaspar Hermann-
schulte. 1888 wurde für die Kapelle durch die Orgelfirma Tennstädt in Paderborn
eine Orgel geliefert. Schon 1876 wurde eine Orgelbühne angelegt zur Aufstellung
für ein geschenktes Harmonium. - In den Jahren 1960/61 wurde durch die Firma
Ochsenfarth, Paderborn, mit einem Kostenaufwand von 24 000 DM eine durch-
greifende Renovierung der Kapelle vorgenommen. 1966 konnte durch die Opfer-
freudigkeit der Gemeinde eine neue Orgel beschafft werden (Orgelbaufirma Men-
del, Rixen). Die Kapelle befindet sich jetzt zur Freude der Gemeinde in einem
würdigen Zustand.



Innenansicht um 1950




Innenansicht um 1999


Nach der Uberlieferung soll der Platz um die Kapelle ein Pestfriedhof gewesen
sein, auf dem die von der Pest dahingerafften Einwohner des Kirdispiels und der
Umgegend bestattet wurden. Gebeinreste wurden 1888 beim Bau eines neuen
Schulgebäudes und 1911 bei der Veränderung des Schulplatzes gefunden. Wald-
hausen selbst wird 1293 bzw. 1348 erstmalig urkundlich genannt. Zur Gemeinde
Waldhausen gehören die Ansiedlungen Egelnpöten und Taubeneiche.




Arbeiten am Kirchturm 1984


Die Kapelle zu "Egelnpöten"



Aufnahme um 1950

Die jetzige Kapelle in Egelnpöten wurde 1890 von Franz Mittrop, genannt
Schulte, auf seinem Hofe erbaut. Am 15.8.1890 erteilte das Generalvikariat die
Vollmacht, Kapelle und Glocke zu benedizieren. 1893 errichtete Pfarrer Christian
Mittrop von Erwitte in der Kapelle einen Kreuzweg. Die Kapelle ist jetzt im
Besitz der Familie Blanke-Mittrop und ist ein kleiner schlichter Bau. Patron ist
der hl. Fidelis von Sigmaringen. Diese Kapelle hat aber eine Vorgängerin gehabt in der
ehemaligen Kapelle auf dem früheren Storkshofe zu Egelnpöten.

Als nach dem Tode des Besitzers des Storkshofes, Caspar Linnliof, dieser Hof zur
Versteigerung kam, wurde er vom Besitzer des benachbarten Linnhofes erworben.
Der neue Besitzer verweigerte 1857 dem Mülheimer Pfarrer die Schlüssel
der Kapelle, um damit zum Ausdruck zu bringen, daß sie Privatbesitz sei.

Als der Pfarrer die Kapelle als öffentliche Kapelle reklamierte, drang er damit nicht durch,
obwohl er sich darauf berief, daß bis 1820 eine Prozession zu der
Kapelle geführt habe und die Frübmesse dort gelesen worden sei.




Aufnahme von 1999.


Ebenso seien zwei Stiftsmessen mit ihr verbunden. - Einige
Jahre später erwirbt der Gewerke Bergenthal aus Warstein beide Höfe (1862).
Die Ländereien des Storkshofes vereinigt er mit denen des Linnhofes und läßt
die Kapelle auf dem Storkshofe abbrechen, ebenso auch eine kleine Kapelle auf
dem Linnhofe. Aus dem Material beider Kapellen läßt er auf dem Linnhofe eine
neue bauen (1862). Der Linnhof gehört aber nicht mehr zur Pfarrei Mülheim, son-
dern zu Allagen, so daß die Kapelle dort jetzt nicht mehr im Mülheimer Pfarr-
bezirk liegt. In den letzten Jahren ist sie verfallen.




Innenansicht, Aufnahme von 1999


Die alte Kapelle auf dem Storkshofe hatte eine Glocke mit der Inschrift: ,,1742
In honorem St. Antonii Hermannus Dalhoff pro me ligavit 10 Imperiales, reh-
(,1105 quinque inquilini. Audite me et preces deo offerte." (1742 Zu Ehren des hl.
Antonius stiftete für mich Hermann Dalhoff 10 Imperiales, die übrigen gaben die
fünf Ansitzer (von Egeinpöten). Höret mich und bringet Gott eure Gebete dar.)
Hermann Dalhoff war ein lediger Bruder des Anton Dalhoff, des Besitzers vom
Storkshofe. Nach Fischer ,,Commende Mülheim" bestand in Egelnpöten seit
dem 17. Jahrhundert eine Kapelle, die der hl. Familie geweiht war. Das würde
sich auf die genannte Kapelle beziehen.


Die Kapelle auf dem Tommeshof



Aufnahme um 1950

Sie wurde 1923/24 vom damaligen Besitzer des Tommeshofes, Franz Schirk,
erbaut und auf Mariä Heimsuchung bei Gelegenheit der Waldhausener Prozes-
sion geweiht. Pfarrer Reinecke las im November 1924 dort die erste hl. Messe.
Patron ist St. Johannes Evangelist. Die Kapelle steht an Stelle eines Heiligenhäuschens,
vom vorigen Besitzer des Tommeshofes, Jaspert, erbaut, das einem Transforma-
torenhaus weichen mußte.




Aufnahme von 1999





Innenaufnahme von 1999